Das Modellprojekt „Retentionsraum in der Stebenbachaue – Kreislauf des Wassers verstehen und erleben“ hat Fahrt aufgenommen. Die Bauarbeiten laufen, Ende des Jahres muss abgerechnet werden.
Vor vier Jahren fand das Projekt seinen Anfang, durch ein Schreiben vom Büro des damaligen Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Friedrich mit dem Hinweis auf Förderung für Klimaanpassung und Modernisierung in urbanen Räumen. „Die Stebenbachaue an der Nailaer Straße schien prädestiniert und nach Rücksprache mit dem damaligen Flussmeister vom Wasserwirtschaftsamt Hof, Hagen Rothemund, reichten wir einen Antrag ein“, erinnert Bürgermeister Bert Horn und auch, dass die Kommune im November 2021 von dem Zuschlag aus der Frankenpost erfahren habe. „Wir als Kommune wussten zu diesem Zeitpunkt noch nichts.“ Eine Detailplanung wurde notwendig und angedacht war ursprünglich nur eine Gestaltung westlich der Nailaer Straße, doch es kam ein östliches Areal auf der Seite der Spielbank hinzu. „Das Grundstück gehört dem Freistaat Bayern, dass die Kommune für 20 Jahre gepachtet hat“, erklärt der Bürgermeister und auch, dass das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und -Raumforschung (BBSR) mit Projektträger Jülich das Vorhaben begleitet. Landschaftsarchitekt Stefan Weidenhammer sowie das Büro Trepesch aus Amberg verfeinerten die Grobidee und Anfang Juli starteten die Bauarbeiten, vorerst westlich, um die Veranstaltung Kinosommer nicht zu gefährden. „Zeitlich liegt alles im Rahmen“, versichert der Planer. „Das Weidengebüsch direkt an der westlichen Nailaer Straße bleibt als Biotop erhalten, auch die großen Erlen“, erklärt der Landschaftsarchitekt. „Das Areal von rund 3000 Quadratmetern, eine sumpfige Wiese, haben wir vor 20 Jahren vom Besitzer geschenkt bekommen“, erinnert Bert Horn. Der Uferbereich des Stebenbach wird einseitig abgeflacht, so dass sich der Fließgewässerquerschnitt verbreitert. „Bisher gibt es zwei Steilufer und das Gewässer fließt schnell dahin, aber mit dem Abtrag wird der Wasserfluss verlangsamt und da das Wasser arbeitet, werden Steine im Bachbett freigelegt, die Rastplätze für Wasseramseln bieten und die Begrünung übernimmt die Natur“, erläutert der Planer und ergänzt, dass zudem eine Retentionsfläche als Wasserrückhalt geschaffen werde. „Es findet eine Geländemodellierung statt, die für Hochwasser eine Ausbreitungsfläche bietet.“ Auch gibt es einen Blick in die Zukunft, eine Idealvorstellung. „Zirka 40 weitere Meter entlang des Stebenbachs in westlicher Richtung gehören der Kommune, das Areal danach befindet sich Privatbesitz“, erläutert Bürgermeister Bert Horn und spricht von der Schaffung eines durchgängigen Weges entlang des Stebenbaches, um dann über die Geroldsgrüner Straße weiter ins Kurparkgelände zu gelangen. Ein gepflasterter geschwungener Weg wird auf rund 80 Metern erstellt, einschließlich einer Sitzgelegenheit am neugestalteten Bachbereich. „Durch den Pflasterweg wird Barrierefreiheit geschaffen und zugleich vermieden, dass eine wassergebundene Decke bei Hochwasser weggeschwemmt wird.“ Dieser Weg könnte bis zur Geroldsgrüner Straße fortgesetzt werden. Doch das ist Zukunftsmusik. „Das Projekt kann mein Nachfolger in Angriff nehmen“, so Bürgermeister Horn. Auf der östlichen Seite entsteht ein künstlicher Bachlauf, mit Wasseraus- und Einleitung vom Stebenbach. „In einer gepflasterten Rinne werden Spielelemente für den Wassertransport mit Sperrtoren und Klappen integriert wie auch ein barrierefreier Spieltisch für Rollstuhlfahrer“, erläutert der Planer und ergänzt, dass auch eine Pumpe mit Trinkwasser zur Aufstellung kommt, und am Stebenbach wird ein Uferzugang mit Steinblöcken ermöglich, um Füße im Wasser baumeln zu lassen. Alles wird so angelegt, dass auf dem Areal weiterhin die Veranstaltung Kinosommer stattfinden kann. Dazu trägt auch die Pflanzung von Kopfweiden bei. „Deren Aufwuchs kann problemlos zurückgeschnitten werden“, versichert der Planer. Für die Bauarbeiten zeichnet die Firma Oelsnitzer Bau & Service GmbH verantwortlich, deren Arbeiten während der Veranstaltung aktuell ruhen. Mit 400.000 Euro schlägt die Maßnahme zu buche, mit 90 Prozent gefördert. So dass der Eigenanteil der Kommune bei 40.000 Euro liegt.
Text und Fotos: Sandra Hüttner
.
.
.